Lavendel ist eine der bekanntesten Gartenpflanzen, aber auch eine der am häufigsten falsch geschnittenen. Wer zu tief schneidet und in den kahlen, verholzten Teil gerät, erhält keinen neuen Austrieb mehr. Dieser Pflanzensteckbrief erklärt, warum das so ist, wann man schneiden darf und wie man Lavendel kompakt hält.
| Botanischer Name | Lavandula angustifolia |
|---|---|
| Deutsche Namen | Lavendel, echter Lavendel, gewöhnlicher Lavendel |
| Familie | Lamiaceae (Lippenblütler) |
| Typ | Halbstrauch, immergrün, oft als niedrige Hecke oder Randbepflanzung |
| Endhöhe | 40 bis 60 cm, bei guter Pflege breiter als hoch |
| Zuwachs pro Jahr | Begrenzt, Lavendel wächst langsam und verholzt von unten her |
| Standort | Volle Sonne |
| Boden | Gut durchlässig und eher kalkreich als sauer, Drainage ist entscheidend |
| Wasser | Trockenheitstolerant, nasse Füße im Winter sind die wichtigste Todesursache, mehr als Frost |
| Winterhärte | L. angustifolia ist winterhart in Deutschland. L. stoechas (Schopflavendel) ist das nicht zuverlässig |
| Blütezeit | Juni bis August |
| Laub im Winter | Graugrün, bleibt erhalten, die Pflanze ist immergrün, wirkt im Winter aber kärglich |
| Pflanzabstand | 3 bis 4 Pflanzen pro Meter |
| Schnitttermin | Ende März oder Anfang April, und erneut im August nach der Blüte |
| Wert für Bienen und Schmetterlinge | Sehr hoch, eine der reichsten Nektarquellen im Sommergarten |
| Wurzelsystem | Kompakt und nicht wuchernd, kein Risiko für Pflasterung oder Nachbarbepflanzung |
| Giftig | Nicht bekannt als giftig für Mensch oder Haustier, bei Zweifeln über vergiftigungen.info prüfen |
| Häufiger Schädling | Selten Schädlinge, das Problem ist fast immer zu nasser oder zu schwerer Boden, nicht ein Insekt |
Warum Lavendel nicht aus kahlem Holz zurückkommt
Lavendel verholzt von unten her, und dieses alte, kahle Holz bildet keine neuen Triebe mehr. Schneidet man bis in diesen braunen, blattlosen Teil zurück, bleibt der Zweig tot. Dieses Verhalten ist vielen Halbsträuchern eigen und steht in scharfem Kontrast zu beispielsweise Eibe, die als eine der wenigen Koniferen gerade aus altem Holz austreibt. Genau dieser Unterschied macht deutlich, dass es keine allgemeine Schnittregel für ‘Sträucher’ gibt.
Beim Schneiden von Lavendel lässt man daher an jedem Zweig ein paar Zentimeter grünes Laub stehen. Man schneidet bis knapp über die ersten neuen Triebe, die im März an der Basis des vorjährigen Zuwachses erscheinen, aber nicht weiter. Wer das einige Jahre hintereinander vergisst und immer tiefer schneidet, sieht die Pflanze von innen her verkahlen. Das repariert man nicht mehr durch Abwarten, die Pflanze trifft diese Entscheidung einfach nicht.
In der Praxis bedeutet dies, dass man die Pflanze im März um etwa ein Drittel zurücknimmt, bis knapp über die Stelle, wo man die ersten grünen Blättchen sieht. Das hält Lavendel kompakt. Unterlässt man dies, fällt die Pflanze im Laufe der Jahre auseinander und man erhält einen kahlen Ring in der Mitte mit Blüten nur an den Enden. Dieses Bild sieht man oft in Gärten, wo Lavendel schon Jahre steht, aber nie geschnitten wurde.
Die zwei Schnitttermine
Lavendel schneidet man zweimal pro Jahr. Ende März oder Anfang April schneidet man die Pflanze bis knapp über die ersten neuen grünen Triebe zurück. Dieser Zeitpunkt hält die Pflanze kompakt und verhindert, dass sie auseinanderfällt. Im August, nach der Blüte, schneidet man die verblühten Ähren mit einem leichten Formschnitt ab. Dieser zweite Zeitpunkt verhindert, dass die Pflanze Samen ansetzt und Energie in etwas anderes als neues Laub steckt.
Der Frühjahrsschnitt ist der wichtigste. Wer diesen überspringt, verliert die kompakte Form und erhält lange, schlaffe Stängel, die nach Regen flach auf dem Boden liegen. Der Augustschnitt ist weniger einschneidend, aber durchaus nützlich, er entfernt das verblühte Material und gibt der Pflanze noch ein paar Wochen, um etwas neues Grün für den Winter zu bilden.
Nicht zu spät im Herbst schneiden. Wer im Oktober noch schneidet, triggert neue Triebe, die den ersten Frost nicht überleben. Das schwächt die Pflanze. August ist der letzte sichere Monat für eine leichte Korrektur. Danach lässt man Lavendel bis zum Frühjahr in Ruhe.
Standort: Trockenheit ist kein Problem, nasse Füße schon
Lavendel stammt aus dem Mittelmeerraum und verträgt Trockenheit mühelos. Was ihn tötet, ist ein nasser Winter in schwerem Boden. Eine Lavendelpflanze, die im November in einer Pfütze steht, erreicht den Februar nicht. Drainage ist wichtiger als Frostschutz.
Pflanzen Sie Lavendel höher, wenn Sie schweren Lehm haben, oder arbeiten Sie Kies oder scharfen Sand in den Boden ein. Das hilft mehr als Abdecken. Lavendel überlebt deutsche Winter ohne Probleme, wenn das Wasser abfließen kann. Fügen Sie keinen Kompost oder fetten Boden hinzu, das hält Feuchtigkeit fest, und das ist genau das, was Sie nicht wollen.
Volle Sonne ist notwendig. Im Halbschatten bleibt Lavendel schlaff, blüht er weniger und ist anfälliger für Pilze. Pflanzen Sie ihn an der wärmsten, trockensten Stelle des Gartens, dort, wo andere Pflanzen es zu schwer haben. Das ist für Lavendel ideal.
Welcher Lavendel ist winterhart
Es gibt zwei Arten von Lavendel, denen man in Gartencentern begegnet, und nur eine davon ist zuverlässig winterhart in Deutschland. Lavandula angustifolia, der echte Lavendel, überlebt ohne Probleme. Lavandula stoechas, der Schopflavendel mit den auffälligen Hochblättern oben auf der Blütenähre, tut das nicht zuverlässig.
Viele Enttäuschungen über ‘Lavendel, der es nicht geschafft hat’, kommen daher. Schopflavendel sieht spektakulär aus, blüht früh und steht daher prominent im Regal, aber er stammt aus wärmeren Regionen und erfriert hier. Achten Sie beim Kauf auf den botanischen Namen, nicht auf die Farbe des Etiketts oder die Größe der Blüte.
Innerhalb von Lavandula angustifolia gibt es Sorten, die etwas kompakter bleiben oder etwas dunkler blühen, aber das Schnittverhalten und die Winterhärte sind gleich. ‘Hidcote’ und ‘Munstead’ sind bekannte Auslesen, aber auch ein nicht näher benannter L. angustifolia vom Wochenmarkt gedeiht prima, wenn der Standort stimmt.
Lavendel für Bienen und Schmetterlinge
Lavendel ist eine der reichsten Nektarquellen des Sommergartens. Von Juni bis August sitzen Hummeln, Honigbienen und Tagfalter in den Blüten, oft so eifrig, dass die Pflanze summt. Das macht Lavendel wertvoll in einer Zeit, in der viele andere Pflanzen bereits verblüht sind oder noch nicht in Gang gekommen sind.
Der Augustschnitt gehört daher erst nach der Blüte. Wer zu früh schneidet, nimmt Nahrung weg in dem Moment, wo Insekten sie brauchen. Lassen Sie einen Teil der verblühten Ähren bis zum Frühjahr stehen, wenn Sie Insekten helfen wollen, die Pflanze leidet nicht darunter und Samen sind Winterfutter für Vögel.
Pflanzen Sie Lavendel in Gruppen, nicht als Solitär. Drei oder fünf Pflanzen nebeneinander ziehen mehr Insekten an als eine einzelne Pflanze. Kombinieren Sie Lavendel mit anderen Sommerblühern wie Salbei oder Eisenkraut für eine lange Blütezeit, das hält das Angebot für Bestäuber aufrecht.
Jeder Garten unterscheidet sich in Bodenart, Lichteinfall und Mikroklima, und Sorten innerhalb einer Art können leicht andere Anforderungen haben. Prüfen Sie bei Fragen zur Giftigkeit für Kinder oder Haustiere immer beim Nationalen Vergiftungsinformationszentrum oder einem Tierarzt und vertrauen Sie nicht allein auf einen Artikel.